3 Monate nach der IMK ist 3 Monate vor der IMK – ein Halbzeitfazit

In der Länderspielpause kamen am 28. März 2026, Vertreter von über 50 Fanszenen aus dem gesamten Bundesgebiet in Berlin zusammen, um sich unter anderem über den

Eskalationskurs der Innenministerkonferenz und der Sportministerkonferenz zu beraten. Auch Fanszenen, die aufgrund des Spielbetriebs unterhalb der dritten Liga nicht dabei waren, stehen inhaltlich hinter dieser Stellungnahme.

Die letzte IMK im Dezember 2025 hat durch ihren Populismus und ihre Repressionsideen für deutsche Stadien für Aufruhr gesorgt – ihr erinnert euch! Die nächste IMK ist bereits für Juni 2026 angesetzt. Eine gute Gelegenheit also, auf den aktuellen Stand zu blicken, denn: Die aktuelle Entwicklung in deutschen Stadien ist alarmierend! Immer öfter werden Stadionbesucher zu Opfern unverhältnismäßiger Polizeigewalt.

Dies zeigt sich eindeutig seit einigen Jahren und ganz speziell eindrücklich seit Beginn des Jahres 2026. Bei den Spielen Borussia Dortmund gegen FC Bayern München, Hertha BSC gegen FC Schalke 04 und VfL Wolfsburg gegen Werder Bremen kam es zu zahlreichen zum Teil schwer verletzten Fans. Deutlich wird dies aber auch durch diverse Fanszenen, die mit fadenscheinigen Begründungen auf der Anreise zu ihren Auswärtsspielen zurückgeschickt und hiermit massiv in ihrer Bewegungsfreiheit eingeschränkt wurden. Aktuell vergeht kaum ein Wochenende ohne einen solchen Skandal. Den Tiefpunkt dieser Entwicklung stellt die hundertfach verhinderte Ausreise von Anhängern von Borussia Dortmund zum Champions League-Spiel bei Atalanta Bergamo durch die Bundespolizei dar. Die zugunsten der Fans entschiedenen Eilverfahren zeigen wiederholt sehr deutlich, dass die Polizei sich im Umgang mit Fußballfans nicht an Recht und Gesetz gebunden sieht!

Böse Zungen behaupten, dass diese jüngste Gewalteskalation seitens der Polizei kein Zufall sein kann. Auch wir sehen sie als systematischen Teil einer arglistigen Strategie der Hardliner aus Innen- und Polizeibehörden mit Blick auf die kommende IMK sowie im Zuge der derzeit stattfindenden Geheimverhandlungen zur Verschärfung der Stadionverbots-Richtlinien. Das Kalkül dahinter scheint so perfide wie offensichtlich: Möglichst schockierende Bilder und Schlagzeilen sollen das politik- und polizeieigene Narrativ, die Stadien seien nicht sicher, Woche für Woche unterfüttern. In dem Wissen, dass die seit Jahren rückläufigen polizeieigenen Zahlen keinerlei Verschärfung rechtfertigen (woran die IMK im letzten Jahr immer wieder erinnert werden musste), werden die eigenen ohnehin fragwürdigen Statistiken der ZIS nun künstlich in die Höhe getrieben.

Das Ziel der Protagonisten in den Innenbehörden scheint klar: Die Verbände DFB und DFL sollen in den Verhandlungen unter maximalen Druck gesetzt werden, zuletzt geschehen mit der erstmals öffentlich geäußerten Drohung der Weitergabe der Polizeikosten durch Herbert Reul und Armin Schuster, wenn die Forderungen der Politik nicht erfüllt werden. Dass aufgrund dieser rücksichtslosen Strategie eine Vielzahl von Fußballfans fernab jeder Verhältnismäßigkeit und Rechtsstaatlichkeit mutwillig und zum Teil schwer verletzt wird, nehmen Polizei und Politik billigend in Kauf. Der Dachverband der Fanhilfen hat in seiner Stellungnahme vom 18. März 2026 die deutliche Zunahme gewalttätiger Polizeieinsätze in der laufenden Saison 2025/2026 dokumentiert. Die Anzahl gewalttätiger Eskalationen durch die Polizei überstieg schon im März die Gesamtzahl vorangegangener Spielzeiten.

Doch auch abseits dieser beobachtbaren polizeilichen Eskalation muss davon ausgegangen werden, dass die Politik den Verbänden druckvoll im Nacken sitzt. Das wird sichtbar, da DFL, DFB und Innenpolitik trotz vollmundiger Transparenzversprechen in der Öffentlichkeit nunmehr seit weiteren vier Monaten in Hinterzimmergesprächen an Verschärfungen der Stadionverbots-Richtlinien schrauben und dabei jegliche Faninteressen und Expertenmeinungen unberücksichtigt lassen.

Im Halbzeitfazit müssen wir daher leider feststellen, dass Politik, Polizei und scheinbar auch die Verbände aus dem letzten Jahr nichts gelernt haben und denken, sie können die gleiche Suppe nochmal kochen – und das noch schärfer gewürzt! Scheinbar müssen wir also wieder laut werden, um für Gerechtigkeit einzutreten, ihren Populismus zu entlarven und ihre perfiden Strategien zu kritisieren!

Daher fordern wir:

1) Verschärfung der Stadionverbots-Richtlinien stoppen!

Unter dem Deckmantel einer einheitlichen Vergabe von Stadionverboten soll eine „Fachaufsicht“ bzw. „Zentrale Stadionverbotskommission“ eingeführt werden, welche den lokalen Strukturen gegenüber weisungsbefugt ist. Diese Fachaufsicht soll auch als Beschwerdestelle für die Polizei fungieren, sollte diese mit den Entscheidungen auf lokaler Ebene unzufrieden sein.

Damit gibt man den Polizeibehörden ein weiteres mächtiges Repressionswerkzeug an die Hand – jenen Polizeibehörden, die nicht davor zurückschrecken, Fußballfans schwer zu verletzen, nur um die eigene Agenda durchzudrücken. Wir sagen: Der Repressionswahnsinn gepaart mit der starken Zunahme willkürlicher und gewalttätiger Polizeieinsätze in deutschen Stadien zeigt, dass die Stadionverbots-Richtlinien nicht verschärft werden dürfen, denn die bewusste Eskalationsstrategie der Innenministerkonferenz darf nicht belohnt werden!

2) Verbände: Transparenz und Faninteressen jetzt!

DFB und DFL dürfen ihre Entscheidungen nicht länger im Geheimen treffen. Wir fordern endlich eine offene und transparente Diskussion unter Wahrung der bestehenden Faninteressen. Ein Stopp der derzeitigen Geheimverhandlungen und eine Neuaufnahme eines Dialogs, welcher seinen Namen auch wirklich verdient, führt nicht nur zu mehr Akzeptanz, sondern bietet den Funktionären von DFB und DFL auch eine Chance, sich diesem massiven Druck seitens der Innenministerien zu widersetzen. Wir erwarten, dass DFB und DFL von dieser Möglichkeit Gebrauch machen.

3) Unabhängige Ermittlungsstellen!

Vereine und Verbände müssen den Aufbau unabhängiger Ermittlungsstellen nach dänischem Vorbild für die Aufklärung von übermäßiger Polizeigewalt öffentlich unterstützen – zum Schutz hunderttausender Fans, die Woche für Woche deutsche Fußballstadien besuchen. Die bundesweite Eskalationsstrategie der Polizei hat beispielsweise im Olympiastadion und im Westfalenstadion bewiesen: Polizeigewalt kann jeden Stadiongänger treffen.

4) Innenpolitik: Sachargumente statt Populismus!

Abgesehen von eskalierenden Polizeieinheiten ist der Fußball sicher. Es ist Zeit, sich endlich damit abzufinden! Es gibt keine Datengrundlage für den Kurs der Innenministerien, weshalb die Polizei nun bundesweit angehalten scheint, die Verletztenzahlen der ZIS-Statistik – aus Sicht der Innenminister „endlich“ – wieder nach oben zu treiben. Jeglicher Realität entbehrende Zerrbilder, etwa dass jedes Wochenende Spiele wegen Pyrotechnik unterbrochen und Menschen hierdurch verletzt würden, haben einer Versachlichung der Debatte zu weichen. Wir sind es leid, für populistische Forderungen herzuhalten, das Testobjekt für neue Repressionsmaßnahmen zu sein und uns unsere Fankultur und ihre Stilmittel von Innenministern und Polizeigewerkschaftern „erklären“ zu lassen.

Fanszenen Deutschlands im April 2026

Fans & Vereine: Gemeinsam gegen die neuen SV-Richtlinien!

Hallo Fußballfans,
die Spatzen pfeifen von den Dächern, dass die Verbände derzeit heimlich, still und leise eine deutliche Verschärfung der Stadionverbotsrichtlinien anstreben.

In einem wiederholt intransparenten Prozess arbeiten Juristen der Verbände und deren Sicherheitsfunktionäre unter punktueller Einbeziehung einzelner Vereine offenbar daran, umfassende Änderungen an den derzeit gültigen Richtlinien umzusetzen.

Es ist zu befürchten, dass dort all jene Themen zur Debatte stehen, die schon im Rahmen der Innenministerkonferenz an die Öffentlichkeit gedrungen sind: Eine zentrale Stadionverbotskommission mit Weisungsrecht gegenüber den Vereinen und andere weitreichende Verschärfungen gegenüber dem Status Quo.

So waren etwa zwei Kernforderungen aus der IMK, „Soll-Bestimmungen“ in „Ist-Bestimmungen“ umzuwandeln und Stadionverbote für eine Mindestdauer festzusetzen, was vielerorts auf große Kritik gestoßen ist. Aufgrund des Schweigens der Verbände ist nicht auszuschließen, dass diese Damoklesschwerter weiterhin über deutschen Fans schweben. Das gerne als Präventionsmaßnahme verkaufte Konzept „Stadionverbot“ droht somit endgültig zum repressiven Mittel einer Parallelgerichtsbarkeit zu werden.

An dieser Stelle sehen wir unsere Vereine in der Pflicht, unsachgemäßen und praxisfernen Vorst&oum;ßen entschieden entgegenzutreten. Dazu gehört, eine ergebnisoffene Diskussion einzufordern, die nicht abseits der Öffentlichkeit stattfindet und Fanperspektiven einbezieht. Zum Jahresende 2025 haben wir jedenfalls gezeigt, was wir gemeinsam auch in solch aufgeladenen Themen erreichen können.

Die Verbände fordern wir dazu auf, ihre Entscheidungen nicht im Hinterzimmer zu treffen, sondern offen und transparent die Diskussion zu führen.

Die Fanszenen Deutschlands am 13.02.2026

Gemeinsame Stellungnahme: Polizeigewalt am Olympiastadion: Eskalationsstrategie der Polizei Berlin endlich beenden!

Im Nachgang des Dialogs vom Mittwoch, 21. Januar verkündete Innensenatorin Iris Spranger, dass
sie keine rechtsfreien Räume in Berlin akzeptiere.

Wir nehmen Sie beim Wort, Frau Spranger! Viel zu häufig verwandelte die Polizei Berlin Teile des
Olympiastadions und seines Umfelds in der Vergangenheit in ebenjene rechtsfreien Räume, in
denen Fußballfans anlasslosen Provokationen und Gewalttätigkeiten der Einsatzhundertschaften
ausgesetzt waren.

Den Höhepunkt dieser Eskalation markiert der Angriff der Polizei auf die Ostkurve Hertha BSC vom
17. Januar 2026 – an einem Tag, der für den Verein Hertha BSCund alle seine Fans ganz im Zeichen
des Gedenkens an Kay Bernstein stehen sollte. Allen Deeskalationsversuchen der Fanszene zum
Trotz, die sich angesichts der Gewaltsuche der Beamten vom angestammten Treffpunkt auf dem
Vorplatz der Ostkurve bis in den Eingangsbereich der Ostkurve zurückzog, drang die Polizei unter
Tritten, Schlägen, Knüppel- und Reizgaseinsatz in die Ostkurve ein. Hierbei wurden
unterschiedslos alle Fans vor Ort angegriffen und verletzt. Der Eingangstunnel der Ostkurve, an
dessen Ende sich die Rollstuhlfahrerplätze und die vollbesetzten Ränge befinden, wurde
regelrecht mit Reizgas geflutet. Flankiert wird die Eskalation der Gewalt von Widersprüchen und
Lügen in den Stellungnahmen der Polizei Berlin.

Wir nehmen mit Sorge zur Kenntnis, dass die Eskalation durch die Polizei zu einer Vielzahl an
Verletzten führte. Die Polizei kommunizierte vorschnell eine zu niedrige Anzahl verletzter Fans,
welche nur die durch den Sanitätsdienst im Olympiastadion versorgten Herthaner einbezog. Die
Verletztenstatistik der ZIS wird wiederum vom Verursacher Polizei und der Innenpolitik als Beweis
für eine angebliche Zunahme der Fangewalt in deutschen Stadien verwendet, wie wir es erst
jüngst in den Diskussionen um die Innenministerkonferenz (IMK) im Dezember 2025 erlebt haben.
Weniger Beachtung fand indes die Gewalt gegenüber den mitgereisten Gästefans aus
Gelsenkirchen, wo es bereits am Blockeingang und während des Spiels zu Provokationen und
Übergriffen kam und insbesondere nach Spielende durch grundloses, gewaltsames Einwirken der
Polizei im Bereich der Treppen des S-Bahnhofs Olympiastadion schwere Verletzungen in Kauf
genommen wurden. Im Internet kursierende Videos belegen die Darstellungen der Königsblauen
Hilfe.

Dabei reihen sich diese Übergriffe nahtlos ein in eine provozierende und auf Eskalation ausgelegte
Strategie der Polizei Berlin. In unserer Stellungnahme vom 17. Januar 2026 beklagten wir die
Eskalationsstrategie der letzten 6 Monate gegenüber Herthafans. Diese Strategie der ständigen
Eskalationssuche betrifft auch die Gästefans am und im Olympiastadion, teilweise sogar schon
länger. Viele Fanszenen bezeugen das Vorgehen der Berliner Polizei:

– Am 13. Dezember 2024 empfing Hertha BSC den SC Preußen Münster: Die Fanhilfe
Münster berichtet, dass beim Blockeinlass die anwesende Hundertschaft sehr rabiat,
gewalttätig und vor allem unverhältnismäßig aufgrund von Lappalien, wie z. B. der
Weitergabe von Tickets gegen anwesende Fans vorging.

– Anlässlich der Begegnung am 1. November 2025 führte das Fanprojekt Dresden eine
Umfrage unter ca. 2.000 Dynamo-Fans durch: Die Polizei Berlin erhielt eine
unterdurchschnittlich schlechte Bewertung. Kritisiert wurden Schubsen, rücksichtsloses
Vorgehen, Gewaltanwendungen sowie eine als übertrieben empfundene Polizeipräsenz.

– Am 21. November gastierte Eintracht Braunschweig zum Freitagabendspiel in Berlin: Die
Blau-Gelbe Hilfe stellte Provokationen und Beleidigungen durch die eingesetzten
Polizeibeamten fest, die sich zudem in die durch den Sicherheitsdienst durchgeführte
Kontrolle der Fanmaterialien am Stadioneinlass einmischte. Dort wurde der
Sicherheitsdienst durch Polizisten explizit angewiesen, Intimkontrollen durchzuführen.
Unter Verweis auf die Rechtswidrigkeit dieser Maßnahme verweigerte der
Sicherheitsdienst deren Durchführung. Die Fanbetreuung von Eintracht Braunschweig
kann diesen Vorgang bestätigen.

– Die Rot-Weiße Hilfe Kaiserslautern war bei ihren letzten Auswärtsspielen in Berlin mit
einer überzogenen Polizeipräsenz direkt hinter der Einlasskontrolle und speziell bei der
Kontrolle der Fanmaterialien konfrontiert. Unverständlich waren zudem die beim
Pokalspiel am 2. Dezember 2025 aufgefahrenen Wasserwerfer am Südtor des
Olympiastadions.

– Die Fanhilfe Magdeburg stellte sowohl im Dezember 2025 als auch in den
vorangegangenen Gastspielen massives Fehlverhalten der Polizei Berlin fest, wodurch
etliche Fans des 1. FC Magdeburg körperliche Verletzungen erlitten. (siehe auch
Stellungnahme vom 19.02.2024)

– Die Königsblaue Hilfe berichtet von „einer sinnlosen, gewalttätigen und eskalativen
Einsatzstrategie“ im Rahmen der Begegnung vom 17. Januar 2026.

– Selbst Spiele gegen den Karlsruher SC wurden trotz der bekannten Fanfreundschaft von
übertriebenen, polizeilichen Maßnahmen begleitet, etwa durch den aufsehenerregenden
und unnötige Kosten verursachenden Hubschraubereinsatz im April 2025.

– Auch die Fanhilfe von Fortuna Düsseldorf und die Fanszene des DSC Arminia Bielefeld
teilen die geschilderten Eindrücke.

Von der Gewaltsuche seitens der Polizei sind leider auch die Gästefans bei Herthas
Amateurmannschaft in der Regionalliga Nordost betroffen. Auch bei den Spielen im
Amateurstadion gab es in jüngster Vergangenheit Übergriffe durch Einsatzkräfte:

– Am 12.09.2025 gastierte der BFC Dynamo bei Herthas Zweitvertretung. Ein immer enger
werdender Polizeikessel und Aussagen wie „Ich habe richtig Bock, einen von euch
wegzuhauen“ verdeutlichen die Eskalationslust der Einsatzhundertschaft. Die Fanszene
des BFC stellt regelmäßig Versuche der Polizei Berlin fest, Freiräume der aktiven Fankultur
zu durchbrechen und die Gesundheit von – oft jugendlichen – Fußballfans aufs Spiel zu
setzen.

– Die Fanszene Babelsberg erlebte die polizeiliche Eskalationsstrategie am 30.11.2025 und
stellt diese ebenfalls in einen generellen Kontext. Das konfrontative und provozierende
Auftreten der Polizei Berlin fällt ihnen bei vielen Auswärtsspielen in Berlin auf.

– Am 14.12.2025 kam es zu anlassloser Polizeigewalt gegenüber den mitgereisten
Gästefans aus Jena, wobei viele Fans und der Fanbeauftragte des FC Carl Zeiss Jena
verletzt wurden.

– Wir und die Fanszene des FC Rot-Weiß Erfurt schließen sich den
Vorwürfen an.

Da sich Berlins Innenverwaltung, Polizei und Hertha BSC nun – nach dem seit November 2025
andauernden Ausschluss von Vereinsvertretern von Hertha BSC aus den
Sicherheitsbesprechungen durch die Polizei – wieder an einem Tisch befinden, rufen wir dazu auf,
ein sicheres Stadionerlebnis für Fußballfans im Olympiastadion Berlin zu gewährleisten:

Die Eskalationsstrategie der Polizei gegen Hertha- und Gästefans muss beendet werden!

Fanhilfe Hertha BSC
Königsblaue Hilfe
Fanhilfe Karlsruhe
Schwarz-Gelbe Hilfe – Fanhilfe der SG Dynamo Dresden
Fanhilfe Münster
Blau-Gelbe Hilfe – Eintracht-Fans für Fanrechte
Lokal Crew Bielefeld
Fanhilfe Magdeburg
Fanhilfe Fortuna
Rot-Weiße Hilfe Kaiserslautern
Blau-Gelb-Weiße Hilfe Jena
Fanhilfe Zwickau
Fanszene BFC Dynamo
Fanszene Babelsberg
Fanszene Erfurt

Verschärfung statt Verfassung? – Sachsens Fanhilfen sagen Stopp!

Verschärfung statt Verfassung? – Sachsens Fanhilfen sagen Stopp!

Das Sächsische Kabinett, das Gremium der regierenden Parteien CDU & SPD, hat Anfang Oktober
2025 einen Gesetzesentwurf des Sächsischen Innenministers Armin Schuster (CDU) zur Änderung
polizeirechtlicher Vorschriften des Sächsischen Polizeivollzugsdienstgesetzes beschlossen. Dieser
liegt der Öffentlichkeit in Gänze noch nicht vor, in einer Medieninformation berichtet die
Staatsregierung über die wesentlichen Inhalte. Die geplanten Änderungen zur Strukturierung des
Polizeirechts entsetzen die Fanhilfen der Fußballfans in Sachsen gleichermaßen. Daher fordern die
Fanhilfe Zwickau (FSV Zwickau), das Rechtshilfekollektiv Chemie Leipzig (BSG Chemie Leipzig)
und die Schwarz-Gelbe Hilfe (SG Dynamo Dresden) den sofortigen Stopp weiteren Abbaus von
Bürger- und Freiheitsrechten durch diesen Gesetzesentwurf.

Dass gesetzliche Änderungen durch das Sächsische Innenministerium (kurz: SMI) dringend
notwendig wurden, entschied immerhin der Verfassungsgerichtshof des Freistaates Sachsen schon
am 25. Januar 2024. Er stellte fest, dass verschiedene Normen des seit dem 1. Januar 2020
geltenden Gesetzes zur Neustrukturierung des Polizeirechtes mit der Verfassung des Freistaates
Sachsen schlicht nicht vereinbar sind. Das Gericht setzte daher eine Frist zur Korrektur zum 30.
Juni 2026.

„Irritation und Entsetzen herrscht vor allem darüber, dass der amtierende Innenminister Armin
Schuster den Auftrag durch das geltende Urteil des höchsten Gerichts des Freistaates Sachsen wohl
vollständig missverstanden hat. Statt das geltende Gesetz auf die Grundlagen der Sächsischen
Verfassung zu bringen, spielt er weiter mittels polizeirechtlicher Verschärfungen und ausufernden
Befugnissen der sächsischen Polizei mit dem Feuer an der Sächsischen Verfassung“ sagt ein
Sprecher des Fanhilfen-Netzwerkes.

Geplant sind im Schuster´schen Gesetzesentwurf neben einer Drohnenabwehr durch die Polizei
auch die Ausweitung von Ermittlungsbefugnissen im digitalen Raum. Mittels Quellen-TKÜ, welche
die Schwächung von digitalen Sicherheitsaspekten voraussetzt, soll die sächsische Staatsmacht
verschlüsselte Kommunikation mitlesen dürfen. Auch soll der anlassbezogene Abgleich mit
öffentlich zugänglichen Internetdaten zur polizeilichen Fahndung und Auswertung gesetzlich
ermöglicht werden. Damit dies aber nicht zuviel Personal am Schreibtisch bindet, soll dies über
einen weiteren heiklen Punkt im Gesetz erfolgen: Dank automatisierten Datenanalyse, sprich dem
geplanten Einsatz einer KI-basierten Software, sollen diese Datenberge dann ausgewertet werden.

Ein Fanhilfe-Sprecher dazu: „Dass es hier im Regelfall um eine höchstumstrittene,
verfassungsgemäß-bedenkliche und datenschutzrechtlich-kritische Software des US-Herstellers
Palantir geht, sieht man am Einsatz einer solchen Software in den Bundesländern Hessen und
Bayern. Im Zusammenspiel mit der, nach Gesetzesentwurf geplanten verdeckten automatisierten
Kennzeichenerkennung und dem Einsatz intelligenter Videoüberwachung wäre der gläserne
sächsische Bürger dann wohl perfekt.“

Doch auch die geplante Ausstattung von Elektroschock-Tasern in weite Teile der sächsischen
Landespolizei sollte Fußballfans insbesondere nach dem Einsatz eines solchen Einsatzmittels gegen
Fans von Bayer Leverkusen in Nordrhein-Westfalen aufschrecken lassen.

„Mit diesem vorgelegten Gesetzesentwurf zur Regelung der Befugnisse der sächsischen Polizei
begeht der sächsische Innenminister Armin Schuster erneut einen bewussten Verfassungsbruch.
Anstatt die verfassungsgemäße Ordnung des sächsischen Polizeirechts herzustellen, erweitert man
dieses um dutzende weitere verfassungswidrige Argumente“ resümiert ein Netzwerk-Sprecher.
„Dass noch eine weitere Verfassungsbeschwerde gegen die derzeitige Version des Polizeigesetzes
des Landes Sachsen am Bundesverfassungsgericht anhängig ist, scheint die sächsische Regierung
dabei auch nicht zu stören“ ergänzt der Sprecher.

Unter dem Deckmantel des allgemeinen Bevölkerungsschutzes und eines abstrakten
Sicherheitsgefühls sollen Bürger- und Freiheitsrechte abgeschafft und polizeiliche Befugnisse
ausgebaut werden, welche vor allem gesellschaftliche Randgruppen wie wir Fußballfans zuallererst
zu spüren bekommen werden. Nicht mit uns!

 

 

 

 

 

 

Fanhilfe Zwickau e.V.
Rechtshilfekollektiv Chemie Leipzig e.V.
Schwarz-Gelbe Hilfe e.V

Stellungnahme zu den vergangenen Polizeieinsätzen

In den vergangenen Wochen ist es vermehrt zu überzogenen Polizeikontrollen rund um Heimspiele des FSV Zwickau gekommen. Zahlreiche FSV Fans haben daraufhin die Fanhilfe und das Fanprojekt kontaktiert. Diese Maßnahmen haben sowohl in Stadionnähe als auch in anderen Teilen von Eckersbach stattgefunden. Als Fanhilfe Zwickau verurteilen wir dieses Verhalten der Polizei und setzen uns für einen geregelten und sicheren Spieltag ein. Aus diesem Grund ist es völlig unverständlich, dass Personen, angesichts fadenscheiniger Begründungen intensiv kontrolliert werden. Dazu zählen willkürliche Kontrollen von Familien und Fans am „Schwäneshop“ (Scheffelbergstraße 43), verhörähnliche Befragungen, aber auch wiederholte Kontrollen bei Einzelpersonen. Die Liste der Ereignisse lässt sich ebenso noch erweitern. Eine Ansammlung von Zeugenberichten die uns vorliegen spiegelt dieses unangemessene Auftreten der Polizei wieder.

Es ist nicht akzeptabel, dass Personen Angst vor willkürlichen Kontrollen und anmaßenden Befragungen durch die Polizei an Spieltagen haben. Die Spanne der Begründungen dieser Maßnahmen ist hierbei unterschiedlich und zum Teil diskriminierend, so zum Beispiel aufgrund von gehäuften Messerattacken, ein „fußballähnliches“ Auftreten oder aufgrund von angeblich auffälligen Kleidungsstücken. Den Fans wurden private und teils sogar intime Fragen gestellt, welche die ganze Absurdität dieser Maßnahmen deutlich zeigen.

Polizeiwillkür und Diskriminierung durch Beamte dürfen in Zwickau keinen Platz haben. Deshalb weisen wir dieses Verhalten der Polizei entschieden zurück. Es gibt dafür keine Grundlage. Fans werden gezielt eingeschüchtert und schlussendlich sorgt dies ebenfalls für einen wirtschaftlichen Schaden am FSV Zwickau. Wir möchten darauf hinweisen, jeden Fan mit dem nötigen Respekt zu behandeln! Die Polizei muss ihr Verhalten und ihr Auftreten an Spieltagen dringend ändern. Fans sind kein Sicherheitsrisiko, sondern mündige Bürgerinnen und Bürger. So sollten sie auch behandelt werden.

Solltet ihr ebenfalls betroffen sein oder habt ähnliches/anderes Verhalten der Polizei beobachtet: Bitte kontaktiert uns über Instagram, Facebook, an Spieltagen an unserem Stand im E5 oder per Mail – kontakt@fanhilfe-zwickau.de.

Repressionen schüchtern uns nicht ein!
Eure Fanhilfe Zwickau e.V.